Bunte Blumen Tattoos: Farbe, Symbolik und Größe
Kräftige Farben, genau gezeichnete Pflanzen und die Sprache der Blumen. Mit Guest Artist Alida, bei der jedes Tattoo als Aquarell beginnt.


Gastbeitrag mit Alida, die als Guest Artist bei True Canvas in Wien tätowiert. Mehr von ihr findest du auf alidartist.com und auf Instagram.
Ein buntes Blumentattoo ist schnell gesagt. Ob daraus ein Motiv wird, das in zehn Jahren noch trägt, hängt an drei Dingen: wo die Farben herkommen, wie genau die Pflanze gezeichnet ist und wie groß das Ganze wird. Dieser Beitrag geht alle drei durch, erklärt dazu, was Floriografie ist, und zeigt, wie du zu einem Motiv kommst, das nicht nur dekorativ ist.

Woran du ein gutes Blumentattoo erkennst
Nicht jedes bunte Blumenmotiv ist botanisch gezeichnet. Der Unterschied liegt in der Genauigkeit.
Botanisch heißt: Die Blattform gehört zur Pflanze, die Anzahl der Blütenblätter stimmt, der Stiel wächst so, wie er in der Natur wächst, und wenn die Wurzel dazugehört, ist sie dabei. Dazu kommen die Details, die man meist übersieht: die Aderung im Blatt, das Stadium der Blüte, die Samenkapsel nach dem Verblühen, der feine Flaum am Stiel.
Die Farbe folgt derselben Logik. Bei Alida ist die Palette an der echten Pflanze orientiert statt frei gewählt, und sie arbeitet mit kräftigen, gesättigten Farben statt mit Pastelltönen. Das ist der Grund, warum ihre Arbeiten bunt wirken, ohne beliebig zu werden: Die Farben sind stark, aber sie sind nicht erfunden.
Diese Herangehensweise hat eine lange Vorgeschichte. Botanische Illustrationen gab es, lange bevor es Fotografie gab, und sie hatten einen Zweck: Eine Pflanze sollte nach der Zeichnung bestimmbar sein. Deshalb sind auf alten Tafeln Blüte, Blatt, Knospe, Frucht und Wurzel oft gemeinsam dargestellt. Ein gutes Blumentattoo übernimmt davon die Genauigkeit, ohne zur Lehrtafel zu werden.
Wie sich kräftige Farben langfristig verhalten, haben wir im Beitrag zu Farbrealismus und in unserem Artikel dazu, wie Tattoos altern, beschrieben.

Floriografie: die Sprache der Blumen
Floriografie ist die Idee, dass Pflanzen eine Bedeutung tragen und man mit ihnen etwas sagen kann.
Als Mode kam sie im 19. Jahrhundert nach Europa, über Briefe aus dem Osmanischen Reich, wo einzelne Gegenstände und Blumen als Botschaft verschickt wurden. In Frankreich und England wurde daraus ein ganzes Buchgenre: Blumenlexika, die jeder Pflanze eine Bedeutung zuordneten. Rosmarin für Erinnerung, Efeu für Treue und Anhänglichkeit, weil er klettert und hält, Maiglöckchen für die Rückkehr des Glücks, Vergissmeinnicht für das, was im Namen steht.
Der interessante Punkt an diesen Büchern: Sie widersprechen sich. Dieselbe Blume steht im einen Lexikon für Freundschaft und im nächsten für Trauer. Es gibt also keinen verbindlichen Code, und das ist für ein Tattoo kein Nachteil, sondern genau der Grund, warum es funktioniert. Die Bedeutung entsteht zwischen dir und dem Motiv, nicht in einem Nachschlagewerk.
Dazu kommt, dass jede Kultur ihr eigenes System hat. In Japan heißt es Hanakotoba, und die Zuordnungen sind teils andere. Die Chrysantheme ist dort mit dem Kaiserhaus und mit langem Leben verbunden, in Teilen Europas ist sie die Blume, die man aufs Grab stellt. Gleiche Pflanze, gegenteilige Stimmung. Wer ein botanisches Motiv plant, sollte wissen, in welchem der beiden Räume es gelesen wird.
Und schließlich gibt es die Bedeutung, die in keinem Buch steht: der Flieder aus dem Garten deiner Großmutter, der Rosmarin, der in jedem Essen deiner Familie war, die Pflanze, die in dem Sommer geblüht hat, der dich verändert hat. Das sind die stärkeren Motive, weil sie nur dir gehören.

Welche Pflanze zu deiner Geschichte passt
Die meisten Leute kommen mit einer Pflanze und suchen danach die Bedeutung. Alida arbeitet in die andere Richtung: zuerst die Geschichte, dann die Pflanze.
Sie fragt also nicht als Erstes, welche Blume du willst, sondern worum es geht. Aus dem, was dabei zur Sprache kommt, wird das Motiv ausgewählt und zusammengestellt. Das ist der Grund, warum bei ihr oft mehrere Pflanzen in einer Komposition stehen: Eine Pflanze für den Anlass, eine für die Person, eine für den Ort.
Was du für dieses Gespräch mitbringen kannst:
- den Anlass, also was das Tattoo festhalten soll
- die Person oder den Zeitraum, um den es geht
- den Ort und die Jahreszeit, falls beides eine Rolle spielt
- Pflanzen, die für dich schon eine Bedeutung haben, auch ohne Begründung
- die Körperstelle und etwa die Größe, die du dir vorstellst
Wenn dein Motiv aus einer Geschichte entstehen soll statt aus einer Vorlage, beschreibt unser Beitrag zum Concept Tattoo, wie dieser Weg abläuft.

Große Motive brauchen Platz
Pflanzen wachsen in eine Richtung. Ein Stiel folgt dem Arm, ein Ast folgt der Rundung der Schulter, eine Ranke läuft über den Rücken, wie sie an einer Wand laufen würde. Diese Verbindung zwischen dem Wachstum einer Pflanze und den Linien eines Körpers ist der Grund, warum Blumenmotive großflächig meist besser funktionieren als klein.
Dazu kommt ein praktischer Grund. Genauigkeit braucht Fläche, und Farbe braucht sie doppelt. Eine Samenkapsel mit korrekter Struktur ist bei drei Zentimetern ein Punkt, und mehrere Farbtöne, die ineinander übergehen sollen, brauchen Platz für den Übergang. Wer die Details und die Farbverläufe will, braucht die Größe, die sie trägt, und oft sind das ein paar Zentimeter mehr als gedacht.
Zwei Dinge, die du vorher wissen solltest: Große Farbarbeiten brauchen mehrere Sitzungen, und Farbe hält nicht an jeder Stelle gleich lang. Warum Hände und Füße besonders schnell verblassen, steht in unserem Beitrag zu Hand- und Fußtattoos. Was kräftige Farben an Pflege und Sonnenschutz brauchen, erklären wir auf unserer Seite zur Tattoo Pflege.

Farbarbeiten gibt es bei uns auch außerhalb von Gastaufenthalten: Anna arbeitet als Resident Artist in Farbrealismus.



2026: Jedes Tattoo beginnt als Gemälde
Im Jahr 2026 nähert sich Alida dem Tätowieren nach vielen Jahren in diesem Medium aus einer neuen Perspektive. Zum ersten Mal beginnt jedes Tattoo mit einem individuellen Aquarellgemälde. Diese Originalarbeiten beschäftigen sich mit botanischer Symbolik, den Verbindungen zwischen verschiedenen Bedeutungen, dem Wechsel der Jahreszeiten und Elementen der japanischen Kunst und Ästhetik.
Das Projekt schafft einen Übergang zwischen zwei Formen: Ein Gemälde wird zum Tattoo, während das Tattoo aus einem Gemälde entsteht. Jedes Werk existiert damit gleichzeitig als Original auf Papier und als einzigartiges Kunstwerk, das am Körper getragen wird.
Praktisch heißt das: Du siehst dein Motiv zuerst als gemalte Arbeit, nicht als Linienzeichnung. Farbe, Lichtführung und Komposition sind damit vor der ersten Nadel entschieden, und das Aquarell bleibt danach bestehen.


Wer Alida ist
Alida wurde 1991 auf Sizilien geboren und zog im Alter von siebzehn Jahren in die Toskana. Bereits in ihrer Jugend begann sie, mit Porträts und Zeichnungen zu experimentieren. Dabei entwickelte sie früh ein Interesse an der Beziehung zwischen Beobachtung, Linie und menschlicher Figur.
Nach ihrem Schulabschluss absolvierte sie eine professionelle Ausbildung zur Tätowiererin. Ihre frühen Arbeiten waren vielseitig und fließend. Sie bewegten sich zwischen Realismus und floralen Einflüssen und ließen Raum für Experimente mit unterschiedlichen Stilen und Motiven.
2018 verlagerte sich ihre künstlerische Auseinandersetzung zunehmend auf die botanische Welt. Sie widmete sich dem Studium der Botanik und erforschte die Floriografie. Nach und nach begann sie, florale Symbolik und ihre Bedeutungen in ihre Arbeit einzubeziehen.
Ab 2020 wurde die Botanik zu einem zentralen Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis. Was zunächst im Tätowieren seinen Anfang genommen hatte, entwickelte sich über die Haut hinaus und fand neue Ausdrucksformen in Keramik, Wandmalerei und Bühnenbild. In all diesen Medien wurden Pflanzen zu mehr als visuellen Motiven. Sie wurden zu einer Sprache, mit der Alida Symbolik, Bedeutung, Verbindung und Transformation erforscht.


Wo findet man Alida und ihre Werke?
Website von Alida
Instagram: @alida_artist
Alida hat derzeit keine neuen Termine in Wien. Anfragen nimmt sie direkt entgegen, Kontakt und aktuelle Informationen findest du auf alidartist.com und auf Instagram. Sobald sie wieder bei uns tätowiert, erscheinen ihre Termine auf unserer Guest-Artist-Seite, dann kannst du auch über unser Anfrageformular bei uns anfragen.
Alida kommt regelmäßig als Guest Artist nach Wien. Die aktuellen Termine stehen immer auf unserer Seite zu den Guest Artists, dort findest du auch alle anderen internationalen Artists, die bei uns zu Gast sind.
Welche Stile unsere Resident Artists arbeiten, siehst du in unserer Tattoo Stilübersicht. Wenn das dein erstes Tattoo wird, erklärt unsere Seite zum ersten Tattoo den ganzen Ablauf.
Für eine Anfrage schick uns deine Idee, deine Referenzen und die gewünschte Körperstelle über unser Anfrageformular. Wenn du speziell bei Alida tätowiert werden möchtest, schreib das dazu, dann melden wir uns, sobald ihr nächster Termin steht.


