Wenn sich ein Tattoo entzündet: Was tun?
Woran du eine Infektion erkennst, was normal ist und wann du ärztliche Hilfe brauchst

Wenn sich ein Tattoo entzündet: Was tun?
Ein frisches Tattoo ist zunächst eine Wunde. Die Haut wurde durch viele kleine Nadelstiche verletzt und braucht Zeit, um zu heilen. Deshalb sind Rötung, leichte Schwellung, Empfindlichkeit, etwas klare Wundflüssigkeit, Jucken und späteres Schälen zunächst völlig normal.
Aber was, wenn das Tattoo plötzlich immer röter wird, stark schmerzt oder sogar Eiter austritt?
Dann kann es sich um eine Infektion handeln.
Wie kommt es zu einer Infektion?
Auch wenn in einem professionellen Tattoo Studio hygienisch und sorgfältig gearbeitet wurde, lässt sich eine Infektion nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen. Eine frische Tätowierung ist eine offene Wunde, und während der Heilungsphase können Keime in die Haut gelangen.
Das Risiko kann außerdem durch eine falsche Nachsorge erhöht werden. Deshalb ist es wichtig, die Pflegehinweise deines Tattoo Artists zu beachten und das Tattoo während der Heilung möglichst wenig unnötigen Belastungen auszusetzen.
Wasche deine Hände gründlich, bevor du dein Tattoo berührst oder Pflege aufträgst. Halte dich an die empfohlenen Reinigungs- und Pflegehinweise und vermeide während der Heilungsphase Aktivitäten, die die Wunde unnötig reizen oder verunreinigen können.
Mehr dazu findest du in unserem ausführlichen Artikel zur Tattoo Pflege, in dem wir den Heilungsverlauf Tag für Tag durchgehen.
Was ist nach dem Tätowieren normal?
Nicht jede Rötung bedeutet, dass dein Tattoo infiziert ist.
In den ersten Tagen kann ein frisches Tattoo:
1. leicht gerötet oder geschwollen sein
2. sich warm und empfindlich anfühlen
3. etwas wund sein
4. eine kleine Menge klarer oder leicht blutiger Flüssigkeit absondern
5. später jucken und sich schälen
6. kleine Krusten bilden
Diese Reaktionen können Teil des normalen Heilungsprozesses sein. Entscheidend ist, wie sich dein Tattoo im Laufe der Zeit entwickelt.
Eine normale Reaktion sollte allmählich besser werden. Wenn Rötung und Schmerzen dagegen stärker werden, anstatt nachzulassen, solltest du genauer hinsehen.
Wie lange ist eine Reaktion noch normal?
Rötung und Schwellung sind in den ersten zwei bis drei Tagen meist am deutlichsten und gehen danach Schritt für Schritt zurück.
Die Richtung ist dabei wichtiger als der einzelne Tag. Wenn dein Tattoo am vierten Tag etwas weniger gerötet ist als am zweiten, verläuft die Heilung im Normalfall so, wie sie soll. Wenn es dagegen ab Tag vier deutlich schlechter aussieht als davor, also röter, wärmer, geschwollener oder schmerzhafter, ist das ein Punkt, an dem du genauer hinsehen solltest.
Wie der Heilungsverlauf über die gesamten Wochen aussieht, welche Phase wann kommt und worauf du dabei achten solltest, haben wir in unserer Pflegeanleitung ausführlich beschrieben.
Woran erkennst du eine mögliche Infektion?
Mögliche Anzeichen einer Infektion sind:
- Die Rötung wird stärker oder breitet sich aus, statt zurückzugehen.
- Die Schmerzen werden stärker, anstatt nachzulassen.
- Die Haut rund um das Tattoo wird zunehmend heiß und geschwollen.
- Es tritt Eiter aus.
- Es entstehen offene oder nässende Stellen.
- Es bilden sich schmerzhafte, gerötete oder juckende Pickel oder Erhebungen.
- Vom Tattoo ausgehend zeigen sich rote Streifen oder Linien auf der Haut.
- Du bekommst Fieber oder Schüttelfrost.
- Du fühlst dich allgemein krank oder ungewöhnlich unwohl.
Diese Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden. Je früher eine mögliche Infektion behandelt wird, desto besser lässt sich verhindern, dass sie sich ausbreitet oder die Haut und das Tattoo stärker geschädigt werden.
Infektion oder Reaktion auf die Farbe?
Nicht jede Beschwerde an einem frischen Tattoo ist eine Infektion. Auch eine Reaktion auf die Tattoo-Farbe ist möglich, und beide fühlen sich für Laien zunächst ähnlich an.
Eine Infektion entwickelt sich meist über Tage hinweg, betrifft das Tattoo und oft auch die Haut ringsum, geht mit Wärme und Schwellung einher und kann Eiter, Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl mit sich bringen.
Eine Reaktion auf die Farbe bleibt dagegen häufig auf bestimmte Farbflächen begrenzt, während der Rest des Tattoos unauffällig abheilt. Typisch sind starkes Jucken und erhabene Stellen genau dort, wo eine bestimmte Farbe sitzt. Eine solche Reaktion kann außerdem später auftreten, teilweise erst Wochen oder Monate nach dem Termin.
Beides gehört ärztlich abgeklärt. Der Unterschied ist trotzdem relevant, weil die Behandlung eine andere ist und eine Farbreaktion auch dann noch auftreten kann, wenn das Tattoo längst verheilt schien.
Was tun bei einem entzündeten Tattoo?
Wenn du den Verdacht hast, dass dein Tattoo infiziert sein könnte, solltest du nicht einfach abwarten.
Lass die Stelle möglichst zeitnah von einem Arzt oder einer Ärztin beurteilen. Bei deutlichen Infektionszeichen kann eine medizinische Behandlung notwendig sein. Ob und welche Medikamente erforderlich sind, hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Infektion ab und sollte von medizinischem Fachpersonal entschieden werden.
Du kannst deinen Tattoo Artist zusätzlich informieren und ihm ein Foto schicken. Dein Artist kann einschätzen, ob das Tattoo für diese Phase der Heilung ungewöhnlich aussieht, und dir sagen, wie sie normalerweise verläuft.
Eine medizinische Diagnose kann dein Tattoo Artist allerdings nicht ersetzen.
Was solltest du jetzt nicht tun?
Bei einem möglicherweise infizierten Tattoo solltest du nicht selbst mit Medikamenten oder aggressiven Produkten experimentieren.
Verwende insbesondere keine Antibiotika- oder Kortisonsalben auf eigene Faust. Ob eine solche Behandlung sinnvoll ist, sollte ein Arzt oder eine Ärztin entscheiden.
Auch solltest du die betroffene Stelle nicht ausdrücken, aufkratzen oder unnötig berühren.
Und vor allem: nicht einfach weiter pflegen und hoffen, dass es schon wieder weggeht, wenn die Symptome zunehmend schlimmer werden.
Wann solltest du sofort medizinische Hilfe suchen?
Wenn du starke oder schnell zunehmende Beschwerden hast, solltest du nicht auf einen normalen Termin warten.
Besonders bei Fieber, Schüttelfrost, starken Schmerzen, deutlicher Schwellung, sich ausbreitender Rötung, roten Streifen, die vom Tattoo wegführen, oder einem ausgeprägten Krankheitsgefühl ist eine schnelle medizinische Abklärung wichtig.
Wenn zusätzlich Symptome wie Atemnot, starke Schwellungen im Gesicht oder am Hals oder andere Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion auftreten, brauchst du sofort medizinische Hilfe.
Wie kannst du eine Infektion vermeiden?
Eine Infektion lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit verhindern, aber du kannst das Risiko deutlich reduzieren.
Der erste Schritt passiert schon vor dem Termin, nämlich bei der Wahl des Studios. Hygienestandards, sauberes Arbeiten und steriles Einwegmaterial sind keine Nebensache, sondern eines der wichtigsten Kriterien überhaupt. Worauf du dabei achten kannst, haben wir in unserem Artikel dazu beschrieben, wie du ein Tattoo Studio auswählst. Auch gut vorbereitete Haut hilft: wie du deine Haut vor dem Tattoo vorbereitest, haben wir separat zusammengefasst.
Nach dem Termin liegt der größte Teil bei dir. Wasche dir gründlich die Hände, bevor du dein frisches Tattoo berührst, halte dich an die Pflegehinweise deines Artists und vermeide unnötige Reibung durch enge Kleidung oder Rucksackgurte.
Besonders wichtig sind in den ersten Wochen die Dinge, bei denen Keime direkt an die Wunde kommen oder die Haut stark belastet wird. Schwimmbad, See, Meer, Sauna und Vollbad gehören dazu, ebenso intensiver Sport mit viel Schweiß und Reibung sowie direkte Sonne auf der frischen Tätowierung. Das sind die häufigsten vermeidbaren Ursachen für Probleme während der Heilung.
Auch die beste Hygiene kann nicht verhindern, dass jede Wunde grundsätzlich einem Infektionsrisiko ausgesetzt ist. Eine sorgfältige Nachsorge ist deshalb genauso wichtig wie hygienisches Arbeiten im Studio.
Was passiert mit dem Tattoo nach einer Infektion?
Eine Infektion muss nicht automatisch bedeuten, dass dein Tattoo ruiniert ist.
Je nachdem, wie stark die Haut betroffen war, kann sich das Tattoo nach der Heilung unterschiedlich verändern. In manchen Fällen bleiben die Farben und Linien weitgehend erhalten. In anderen Fällen können durch die Entzündung Bereiche des Tattoos ungleichmäßig abheilen, oder die Haut kann Narben bilden.
Warte deshalb unbedingt, bis die Haut vollständig verheilt ist, bevor du über eine Nacharbeit nachdenkst. Vernarbte oder frisch verheilte Haut nimmt Farbe anders an als gesunde Haut, und das beeinflusst auch, wie sich dein Tattoo langfristig entwickelt.
Wenn danach tatsächlich Stellen korrigiert werden müssen, kann dein Tattoo Artist beurteilen, was möglich ist.
Fazit: Im Zweifel lieber einmal zu viel nachfragen
Wenn sich die Beschwerden verschlimmern oder du typische Anzeichen einer Infektion bemerkst, lass dein Tattoo ärztlich abklären.
Und wenn du unsicher bist, kannst du uns natürlich ebenfalls kontaktieren. Schick uns einfach ein Foto über unser Anfrageformular, dann sagen wir dir, ob etwas für den normalen Heilungsverlauf ungewöhnlich aussieht. Weitere häufige Fragen rund um Termin, Ablauf und Heilung findest du in unseren FAQ.
Dieser Artikel beschreibt allgemeine Erfahrungswerte aus dem Studioalltag und ersetzt keine medizinische Beratung. Eine Infektion kann ausschließlich ärztlich diagnostiziert und behandelt werden.


